„Bitte auf den Wegen bleiben!“
Jäger und Ornithologen werben um Rücksicht auf die Kinderstube der Wildtiere und Vögel
Um Rücksicht auf Gelege, Kitze und Frischlinge im Frühjahr bittet der Vorsitzende des Hainichener Jagdverbands Andreas Brandt. In Feld und Wald sei jetzt alles auf Brüten und Setzen eingestellt. Den Anfang haben im Februar schon die Dachse gemacht. Dann folgen die Wildschweine. „Ende März, Anfang April kommen die ersten Frischlinge zur Welt“, sagt Brandt. „Stört man die Bachen am Wurfkessel, können sie sehr angriffslustig sein.“ Etwa gleichzeitig kommen die Junghasen zur Welt und wirft die Füchsin ihre Jungen. Ab Mitte Mai legen dann die ersten Ricken ihre Kitze in den waldnahen Wiesen ab.

„Wir bitten alle, die gerne wandern, spazieren gehen, laufen oder Rad fahren, in dieser Zeit auf den Wegen zu bleiben, sagt Brandt. Auch wo man dazu nicht verpflichtet ist, sei es sinnvoll, Hunde an die Leine zu nehmen. „Junge Wildtiere können meist nicht schnell flüchten und verleiten den bravsten Hund zum Jagen.“ Rehkitze und Junghasen solle man weder berühren, noch mitnehmen. „Es geht ihnen gut, auch wenn sie nicht weglaufen“, weiß der Naturkenner. „Ihre Mütter kehren immer wieder zum Säugen zurück.
Auch Bodenbrüter sind durch freilaufende Hunde und unbedachte Wanderer gefährdet. Dazu gehören fast alle einheimischen Wasservogelarten. „Wenn sie ihr Nest verlassen, decken sie die Eier mit Daunenfedern und Halmen als Sichtschutz und gegen Wärmeverlust ab“, sagt Jens Voigt vom Verein Sächsischer Ornithologen e. V. Flüchteten die Vögel wegen einer Störung, geschehe das nicht. „Oft geht dann das Gelege verloren oder die Eier kühlen aus.“ Auch Singvögel, wie Rotkehlchen, Feldlerche oder Goldammer brüten am Boden. „Schnell ist das meist unter Grasbüscheln versteckte Nest zertreten oder von einem stöbernden Hund freigelegt und zerstört“, berichtet Voigt.

Seit 2013 ist der 3. März weltweit Artenschutztag. An diesem Tag wurde 1973 das Washingtoner Artenschutzübereinkommen unterzeichnet.
Was das mit Jagd zu tun hat? Mehr als viele glauben. Bejagt werden ohnehin nur Arten, die in großen Populationen vorkommen. Gefährdete Tierarten schützt das Jagdrecht durch Schonung und die Verpflichtung zur Hege. Freiwillig engagieren sich Jägerinnen und Jäger in der Biotoppflege und verbessern Lebensräume. Sie wissen: In der Natur sind alle Organismen aufeinander angewiesen.
Auch deshalb wurde der Landesjagdverband Sachsen, in dem der Jagdverband Hainichen Mitglied ist, als Naturschutzverband anerkannt.

